
Die milden Winter in Oberfranken und die spürbare Klimaerwärmung verändern unsere Natur – und damit auch die Gefahr, die von Parasiten ausgeht. Wer in Hof, am Untreusee oder im Frankenwald mit seinem Hund unterwegs ist, merkt es deutlich: Die Zeckensaison ist länger und intensiver als früher. Als Hundetrainerin bei Tail Titans stelle ich fest, dass sich durch die steigenden Temperaturen zudem neue Arten wie die Auwaldzecke oder die Hyalomma-Zecke bei uns ausbreiten. Diese Arten können schwerwiegendere Krankheiten übertragen als der klassische Holzbock. Deshalb ist ein durchdachter Schutz für deinen Hund heute wichtiger denn je.

Natürliche Mittel: der sanfte Weg
Viele Hundebesitzer bevorzugen eine chemiefreie Lösung. Ich empfehle diese Mittel oft für Hunde mit einem sehr empfindlichen Immunsystem. Wichtig zu wissen: Diese natürlichen Mittel wirken alle als sogenannte „Repellents“. Das bedeutet, sie wirken rein abschreckend – sie töten die Zecken also nicht ab, sondern halten sie durch ihren speziellen Geruch lediglich auf Abstand. Allerdings musst du beachten: Die Wirksamkeit der Mittel hängt stark von dem Eigengeruch des Hundes und dem Zeckenvorkommen in deiner Umgebung ab – ein Versuch schadet nicht :
Öle zum Einreiben:
- Bekannte Mittel: Kokosöl (Laurinsäure), Schwarzkümmelöl, Bernsteinketten.
- Anwendung: Kokosöl musst du vor jedem Spaziergang in Hofs Wäldern frisch auftragen und ins Fell einmassieren.
- Vorteile: Keine Chemie, keine Belastung für den Organismus.
- Nachteile: Deutlich schwächere Wirkung, muss ständig erneuert werden.
Natürliche Sprays (Der schnelle Schutz für unterwegs):
Neben den Ölen gibt es auch natürliche Repellent-Sprays. Diese sind besonders praktisch, wenn es mal schnell gehen muss.
- Wirkstoffe: Die meisten dieser Sprays basieren auf Eukalyptus-Citriodora-Öl (Zitroneneukalyptus), Geraniol oder Margosa-Extrakt. Der Geruch hält die Zecken fern.
- Anwendung: Ich sprühe den Hund vor allem an den Beinen, am Bauch und im Brustbereich ein. Wichtig: Den Kopfbereich aussparen!
- Vorteile: Keine fettigen Rückstände im Fell und sofortige Schutzwirkung.
- Mein Profi-Tipp für dich: Achte darauf, dass dein Hund das Geräusch des Sprühens nicht als bedrohlich empfindet. Gerade unsichere Hunde erschrecken sich oft vor dem Zischen. Du kannst das Mittel einfach auf ein Tuch sprühen und den Hund damit abreiben, das ist völlig stressfrei und genauso effektiv!
Spot-ons: Die Klassiker im Nacken
Spot-ons werden direkt auf die Haut aufgetragen, meist zwischen die Schulterblätter, damit der Hund es nicht ablecken kann. Hier unterscheiden wir zwischen chemischen Keulen und pflanzlichen Varianten.
Chemische Spot-ons (Die starken Abwehrmittel):
- Frontline (Wirkstoff: Fipronil): Dieses Mittel tötet Zecken zuverlässig ab, wirkt jedoch nicht abschreckend und ist für Haushalte mit Katzen unbedenklich.
- Advantix (Wirkstoff: Permethrin): Es wirkt extrem abschreckend auch gegen Mücken, ist aber für Katzen im selben Haushalt absolut lebensgefährlich!
- Vectra 3D (Wirkstoffe: Dinotefuran/Permethrin): Dieses sehr breit wirkende Präparat schützt auch vor Sandmücken, darf aber wegen des Permethrins ebenfalls niemals bei Katzenkontakt angewendet werden.
- Verfügbarkeit: Chemische Spot-ons gibt es oft beim Tierarzt oder in der Apotheke, natürliche Varianten findest du im Fachhandel.
Natürliche Spot-ons (z. B. Bogaprotect, Amigard, Canina PETVITAL Verminex):
- Diese sanften, rein abschreckenden Alternativen auf Basis von Margosa-Extrakt oder Decansäure (Kokosfett) schonen den Organismus deines Hundes, müssen aber oft schon nach ein bis zwei Wochen neu aufgetragen werden.
Halsbänder: Schutz für die ganze Saison
Halsbänder geben den Wirkstoff kontinuierlich über Monate ab. Das ist bequem, bedeutet aber auch eine Dauerbelastung für das Tier.
Die 3 gängigsten Halsbänder:
- Seresto: Schützt bis zu 8 Monate gegen Zecken und Flöhe.
- Scalibor: Beliebt für den Urlaub (schützt auch gegen Sandmücken), Wirkstoff Deltamethrin.
- Kiltix: Ein echter Klassiker mit der Wirkstoffkombination aus Flumethrin und Propoxur. Hält bis zu sieben Monate, der Wirkstoff verteilt sich oft wie ein feiner Puder auf dem Fell deines Hundes
- Verfügbarkeit: Meist über den Tierarzt oder die Apotheke (rezeptfrei, aber apothekenpflichtig).
Wichtiger Hinweis zum Schwimmen: Diese Wirkstoffe sind extrem giftig für Wasserlebewesen. Wenn dein Hund in der Saale oder im Untreusee badet, muss das Halsband vorher unbedingt ausgezogen werden. Es gibt derzeit kaum Halsbänder mit chemischen Wirkstoffen, die für Gewässer wirklich unbedenklich sind.

Tabletten: Die „saubere“ Lösung für Wasserratten
Kautabletten sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden, da sie von innen wirken. Für Hunde, die viel schwimmen oder eng mit Kindern zusammenleben, sind sie ideal, da kein Gift auf dem Fell klebt.
Die 3 gängigsten Tabletten:
- Bravecto: Bekannt für seine lange Wirkungsdauer von bis zu zwölf Wochen.
- NexGard: Eine Tablette, die monatlich verabreicht wird und auch gegen Milben hilft.
- Simparica: Ebenfalls eine monatliche Tablette mit einem sehr breiten Wirkungsspektrum.
- Frontpro: Eine Kautablette für die monatliche Gabe, die Zecken und Flöhe nach dem Biss sehr schnell abtötet.
Ein wichtiger Punkt bei Tabletten ist jedoch, dass sie systemisch wirken. Das bedeutet, der Wirkstoff verteilt sich im gesamten Körper des Hundes. Zudem muss die Zecke erst zubeißen und Blut saugen, um mit dem Wirkstoff in Kontakt zu kommen und abzusterben. Im Gegensatz zu manchen Halsbändern oder Spot-ons haben Tabletten meist keinen abschreckenden Effekt (Repellent-Effekt). Ein kurzer Check bei deinem Tierarzt ist ebenso ratsam, um die Dosierung exakt auf das Gewicht deines Hundes abzustimmen und mögliche Unverträglichkeiten auszuschließen. Die Wirkungsdauer ist meinst länger als angegeben, daher am besten mit der nächsten Gabe warten, bis die Wirkung wieder nachgelassen hat.
Wo bekommt man diese Tabletten?
Da es sich um verschreibungspflichtige Arzneimittel handelt, erhältst du sie ausschließlich bei deinem Tierarzt in Hof oder der näheren Umgebung. Ein kurzer Check beim Profi ist ohnehin ratsam, um die Dosierung genau auf das Gewicht deines Hundes abzustimmen.

Besondere Vorsicht bei bestimmten Rassen: Der MDR1-Defekt
Wie eingangs erwähnt, gibt es ein Thema, das mir als Hundetrainerin besonders am Herzen liegt. Manche Hunde vertragen die gängigen chemischen Zeckenmittel schlichtweg nicht. Der MDR1-Defekt ist ein Gendefekt, der dazu führt, dass bestimmte Arzneistoffe die Blut-Hirn-Schranke ungehindert passieren können. Was bei einem gesunden Hund kaum Auswirkungen hat, kann bei einem betroffenen Hund zu schweren neurologischen Vergiftungen, Krämpfen oder gar zum Tod führen.
Prüfe bitte unbedingt, ob dein Hund zu einer der gefährdeten Rassen gehört oder ein Mischling aus diesen ist:
- Collies (Kurz- und Langhaar)
- Australian Shepherds und Miniature American Shepherds
- Border Collies
- Shelties (Shetland Sheepdogs)
- Weißer Schweizer Schäferhund
- Bobtails (Old English Sheepdogs)
- Longhaired Whippets
Falls du dir unsicher bist, lässt sich dieser Defekt ganz einfach über einen Gentest beim Tierarzt feststellen. In unserer Region Hof gibt es spezialisierte Praxen, die dich hierzu umfassend beraten können. Sicherheit geht hier definitiv vor, bevor man zu einem starken Spot-on oder einer Tablette greift.
Mit Verstand schützen statt dauerhaft belasten
Auch wenn der Schutz vor Krankheiten wie Borreliose extrem wichtig ist, solltest du das System deines Hundes nicht unnötig strapazieren. Viele Präparate haben eine Depotwirkung, die oft länger anhält als angegeben. Ich empfehle: Warte ab. Beobachte deinen Hund genau. Wenn die Wirkung nachlässt und du die erste Zecke entdeckst, ist immer noch Zeit, das Mittel nachzulegen. Ein gesundes Immunsystem ist die Basis für ein langes Hundeleben, daher gilt für mich: So viel Schutz wie nötig, aber so wenig Chemie wie möglich.
Abschließend gilt für alle Hundefreunde in Hof und Umgebung: Sucht eure Hunde nach jedem Gang durch den Wald oder über die Wiese gründlich ab. Das ist die sicherste und gesündeste Methode, um Krankheiten zu verhindern. Bei Tail Titans stehe ich dir gerne mit Rat und Tat zur Seite, wenn du Fragen zur Auswahl des richtigen Mittels oder zum Verhalten im Wald hast. Bleibt gesund und zeckenfrei beim nächsten Ausflug zum Untreusee!






